Themen

Nazis erkennen und handeln

Aktiv werden

Nazis erkennen und handeln

Zeichen setzen gegen Nazis

Nazi-Dresscodes erkennen und handeln

Einschlägige Klamottenmarken und Nazi-Symbolik: Die extrem rechte Szene hat ihre eigenen Codes und nutzt sie als Erkennungszeichen untereinander und – falls sie allgemein bekannt sind – auch zur Einschüchterung und Provokation der Öffentlichkeit. Man darf nicht dulden, dass Nazis Werbung für ihr gefährliches Gedankengut machen. In der Berufsschule und im Betrieb etwa kann man per Hausordnung oder Betriebs- bzw. Dienstvereinbarung dagegen vorgehen.

Nazis sind eindeutig das, was man im englischsprachigen Raum "pain in the ass" nennt. Die braune Ideologie schmerzt freiheitlich-solidarisch denkende Menschen vor allem im Geiste. Für Menschen, die nicht in das Weltbild der Nazis passen, stellen sie auch eine konkrete Bedrohung für das eigene Leben da. Manchmal tun auch die Augen weh, wenn sie von Nazi-Symbolen und -kleidung beleidigt werden.

Um im Betrieb aktiv gegen Nazi-Symbolik vorzugehen, muss man sie natürlich zunächst erkennen – denn nicht alles ist einfach identifizierbar, beispielsweise die berüchtigte Klamottenmarke Thor Steinar. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Nazis immer stärker auch mit dem Style und den Symbolen von alternativen bzw. linken Jugendkulturen spielen. So nutzen sie z. B. das Konterfei Che Guevaras.

Eindeutige politische Botschaft
Die mehr als 150 bekannten Symbole und Codes, die verschlüsselt oder offen für eine rechte politische Orientierung stehen, sind für Außenstehende oft nicht erkennbar. Doch für Gleichgesinnte sind sie mehr als nur Erkennungsmerkmal: Sie vermitteln ein Gruppengefühl und sie transportieren eine eindeutige politische Botschaft. Oft stehen Provokation und sich-rechts-fühlen allerdings im Vordergrund und nicht alle Träger_innen dieser Symbole haben ein ausformuliertes, extrem rechtes Weltbild verinnerlicht.

Im Folgenden dokumentieren wir bei Rechten populäre Dresscodes, also Mode- und Bekleidungsmarken. Neben Beispielen aus dem neonazistischen Spektrum haben wir auch solche Marken aufgegriffen, deren Firmen keinen Bezug in die organisierte Szene haben, obwohl sie dort genutzt werden.

Beispiele für Neonazi-Kleidungsmarken

  • Thor Steinar – eine Bekleidungsmarke, die ausgehend vom brandenburgischen Königs Wusterhausen in der rechten Szene über deren Versandwege verbreitet wird. Die Namen, Logos und Motive beziehen sich insbesondere auf die germanische/nordische Mythologie, jedoch auch auf die deutsche Kolonial- und Militärgeschichte.
  • Alpha Industries – in der neonazistischen Szene ist die Marke beliebt, weil das Logo dem verbotenen Zivilabzeichen der SA ähnelt.
  • Consdaple – bei Neonazis aufgrund der im Wort enthaltenen Buchstabenkombination NSDAP beliebt. Die von Neonazis entworfene Consdaple-Bekleidung wird nur in neonazistischen Läden verkauft.
  • Masterrace Europe – zu Deutsch „Herrenrasse Europa“. Die mit dem Aufdruck versehenen Jogginghosen, T-Shirts und Pullover werden ausschließlich in neonazistischen Läden und über den Versandhandel verkauft.

Beispiele für Nazi-Symbole und -Zahlencodes (meistens stehen die Zahlen für die entsprechenden Buchstaben im Alphabet)

  • Keltenkreuz – dient in der extrem rechten Szene weltweit als Symbol für die „Vormachtstellung der weißen Rasse“.
  • White Power Faust – „White Power“ bedeutet übersetzt „Weiße Macht“ und wird im Sinne von „weißer Vorherrschaft“ oder „weißer Vormachtstellung“ verwendet.
  • Triskele – keltisches Symbol. Die eckige Darstellung ähnelt einem dreiarmigen Hakenkreuz und wird daher von neonazistischen Kreisen entsprechend interpretiert.
  • 18 – steht für Adolf Hitler. Die Zahlenkombination findet sich beispielsweise in den Namen der Organisation „Combat 18“ und der Band „Sturm 18“.
  • 28 – seit dem Verbot der Organisation „Blood & Honour“ im September 2000 wird die 28 als Synonym für B&H verwendet. Beispiele für T-Shirt-Motive: „28 – Ich lass mich nicht verbieten“ oder „28 Supporter“.
  • 88 – steht für Heil Hitler. Als konspirative Grußformel wurde die 88 bereits in den Nachkriegsjahren von Nationalsozialisten_innen verwendet. Der Zahlencode 88 findet sich heute unter anderem auf T-Shirts, Aufnähern, Fahnen oder Emblemen.

Nazi-Symbolik im Betrieb unterbinden
Im Betrieb muss man weder die Zurschaustellung solcher Codes und Klamotten noch versteckte Nazi-Erkennungszeichen dulden. Zum Beispiel können sich JAVen dafür stark machen, das Tragen solcher Zeichen und Kleidung per Hausordnung oder Betriebsvereinbarung zu verbieten. Sowohl das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) als auch das Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG) bieten dafür rechtliche Grundlagen.

So steht in § 88 BetrVG, dass eine freiwillige Betriebsvereinbarung insbesondere Maßnahmen zur Integration ausländischer Arbeitnehmender sowie zur Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Betrieb regeln kann. Grundsätzlich gilt, dass in den Landespersonalvertretungsgesetzen (LPersVG) vergleichbare Regelungen bestehen.

Mit Betriebs- bzw. Dienstvereinbarungen setzen Interessenvertretungen ihr klares Signal gegen Diskriminierung im Betrieb oder in der Dienststelle. Bei Mobbing, Diskriminierung, Rassismus – und dazu gehört auch Nazi-Symbolik – müssen Personal- oder Betriebsräte bzw. JAVen eingreifen. Am besten den Vorschlag des DGB-Bundesvorstandes als Muster für eine eigene Betriebsvereinbarung nutzen – denn Nazis dürfen keine Chance bekommen, ihre menschenverachtende Ideologie unter die Leute zu bringen!

Ausführliche Informationen über rechte Jugendkultur und ihre Symbolik gibt’s im umfangreichen

ver.di Jugend Reader "Ideologie. Macht. Nazis."